Ältere Beobachtungsdaten vom Moselapollo benötigt!

Weibchen des Moselapollos (Parnassius apollo vinningensis) – Juni 2020, Umgebung Klotten. Foto: Daniel Müller

Daniel Müller bittet für seine Forschungsarbeit zum Mosel-Apollo um exakte Beobachtungsdaten, vor allem aus der Zeit vor 2010.

Der Moselapollo – Parnassius apollo vinningensis (STICHEL, 1899) – konnte sich offenbar von seinem letztjährigen Bestandseinbruch kaum erholen. Zwar wurden in den vergangenen Wochen entlang der zwischen Kobern-Gondorf und Winningen gelegenen Bahnlinie sowie am Apolloweg bei Valwig mehrmals zweistellige Individuenzahlen erfasst, allerdings ließen sich an allen übrigen Fundorten zumeist nur noch einzelne Tiere beobachten.

Am Ausoniusstein bei Kattenes und am Galgenberg bei Pommern ist die Art möglicherweise sogar schon verschwunden, denn aus diesen beiden Gebieten fehlen bislang aktuelle Nachweise. Es ist zu befürchten, dass sich der Rückgang der Art im unteren Moseltal in den nächsten Jahren fortsetzt, sofern keine geeigneten Schutzmaßnahmen eingeleitet werden. Diese können natürlich nur dann greifen, wenn den entsprechenden Ursachen entgegengewirkt wird.

Im Zuge meines Studiums an der Uni Mainz möchte ich in einer Forschungsarbeit die Gründe für den Rückgang des Moselapollos zunächst mittels bioinformatischer Methoden eingrenzen, um gegenenenfalls später zielgerichtete Freilanduntersuchungen zu tätigen. Dazu benötige ich Beobachtungsdaten, und zwar vor allem aus der Zeit von vor 2010. Schließlich wurden diese älteren Nachweise in den online einsehbaren Datenbanken meist noch nicht eingepflegt.

Sollten Sie entsprechende Beobachtungsdaten zum Moselapollo besitzen und mir diese für die Forschungsarbeit zur Verfügung stellen wollen, dann würde es mich freuen, wenn Sie sich mit mir über das Kontaktformular in Verbindung setzen.


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Mitgliederversammlung 2020, WET und Microtreffen abgesagt

Vorstand bei der Arbeit. v.l. Heinz Schumacher, Wolfgang Vorbrüggen, Günter Swoboda, Thomas C. Reifenberg, Karl-Heinz Jelinek, Brigitte Schmälter.

Hier kurz ein Ergebnis der Vorstandssitzung der Arbeitsgemeinschaft vom 16. Juli in Leverkusen, für Eure Planungen:

Die diesjährige, bereits einmal vertagte Mitgliederversammlung des Vereins fällt aus! Die Corona-Pandemie und der hohe Anteil an Mitgliedern in der Risikogruppe lassen es nicht zu, die Veranstaltung sinnvoll durchzuführen. Es macht auch keinen Sinn sich im Herbst zu treffen, und dann wieder im normalen Turnus im März. Die nächste Versammlung findet also – geplant – im  März 2021 statt. Ort und Datum werden noch genau festgelegt und finden sich dann im Terminkalender.

Zum Westdeutschen Entomologentag schreibt Dr. Stefan Curth, Kurator am Löbbecke-Museum: “Der Westdeutsche Entomologentag ist seit vielen Jahren, sogar Jahrzehnten, eine feste Institution – nicht nur unter Entomologen. […] Schweren Herzens mussten wir in diesem Jahr die Entscheidung treffen, den WET 2020 ausfallen zu lassen. Unter den aktuellen Maßnahmen zur Corona-Schutzverordnung wären wir nicht in der Lage, die Veranstaltung durchführen zu können”.

Auch für die Kleinschmetterlingsfreunde gibt es keine guten Nachrichten: Christoph Kayser, der das diesjährige Micro-Treffen in Schneverdingen organisiert hatte, schreibt dazu: “Nach langem und reiflichem Überlegen bin ich zu der Auffassung gelangt, dass ein Treffen in dieser unsicheren Zeit mit m.E. unverhältnismäßigen Risiken behaftet wäre. Deswegen sage ich hiermit unser für den Zeitraum vom 9. bis 11. Oktober geplantes Treffen ab. ”

Das alles soll Euch natürlich nicht abhalten, im kleinen Kreis Eurem Hobby und der Wissenschaft nachzugehen. Zwar sind Tagungen und Exkursionen weitgehend abgesagt, aber die Erforschung der einheimischen Fauna geht natürlich weiter wie bisher. Hauptsache Ihr bleibt gesund!


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Kamillenmönch Cucullia chamomillae auf dem Vormarsch

NRW – Gilsdorf/Eifel, Juni 2019 (Foto: Ralf Dahlheuser)

Die langen und teils extremen Trockenperioden der letzten Jahre, verbunden mit durchgängig milden bis heißen Temperaturen führen zu teils gut feststellbaren Veränderungen im Artengefüge und der Individuenzahl, ohne dies dramatisieren zu wollen. Es scheint aber auch Profiteure dieser Bedingungen zu geben, und von einem vermeintlichen möchte ich berichten.
Man hört und liest in den sozialen Medien immer öfter von Raupenfunden des Kamillen-Graumönch (Cucullia chamomillae). Neben den für diese Wärme liebende Art typischen Biotopen werden immer häufiger Funde an Ackerrandstreifen bekannt, an denen sich zunehmend Kamille etabliert hat.

Foto: Ralf Dahlheuser
Gilsdorf/Eifel NRW
Juni 2019

Foto: Ralf Dahlheuser
Gilsdorf/Eifel NRW
Juni 2019


Mehrere Funde der jüngeren Zeit (Remscheid-Grund, Frödenberg an der Ruhr, Nümbrecht, Gilsdorf in der Eifel und jüngst auch Düsseldorf und Jülich sowie aus Neuenstein/Mühlbach in Hessen) belegen dies.
Die sehr hübschen und farbvariablen Raupen finden sich an Matricaria- und Anthemisarten und sind recht leicht zu finden. Sie sitzen oft an den Stängeln der Futterpflanze, oder auch eingerollt auf den Blüten.

Foto: Ralf Dahlheuser
Gilsdorf/Eifel NRW
Juni 2020

Foto: Ralf Dahlheuser
Gilsdorf/Eifel NRW
Juni 2020

Foto: Christof Hielscher
Neuenstein/Mühlbach/Hessen Juni 2020

Foto Christof Hielscher
Neuenstein/Mühlbach/Hessen Juni 2020

Foto: Ralf Dahlheuser
Gilsdorf/Eifel NRW
Juni 2020


Im Gegensatz zu den jüngsten Funden zeigt die Verbreitungskarte sehr viele weiße Flecken und die Meldungen liegen überwiegend schon recht lange zurück.
Anlass genug, das Augenmerk auf diese Art zu richten und um die Meldung von weiteren Funden dieser Art zu bitten.

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Schleifspuren am Seifenkraut: Seifenkraut-Miniersackträger – Coleophora saponariella

Hier mal ein kleiner Kartierhinweis, dieser Kleinschmetterling dürfte sich bei entsprechender Nachsuche noch an vielen Fundorten nachweisen lassen: An Echtem Seifenkraut (Saponaria officinalis) kommt in unserem Arbeitsgebiet außer Coleophora saponariella keine andere Coleophora-Art vor.
Die Raupen des Seifenkraut-Miniersackträgers hinterlassen auf den Seifenkraut-Blättern charakteristische weisse Fraßspuren. Die Säcke hängen auf der Unterseite der Blätter, sind weißlich bis grau mit schwarzen Längsstreifen.
Ein ausführlicher Bericht von Franziska Bauer über die Raupenentwicklung von C. saponariella findet sich im Lepiforum .

In der Literatur (BIESENBAUM & v.d. WOLF 1999) gibt es allerdings aus dem Arbeitsgebiet nur zwei Nachweise: Wiesbaden (vor 1881!) und Lannesdorf bei Bonn (1984). Im Dreieck Köln / Duisburg / Bochum ist der Seifenkraut-Miniersackträger aktuell an etlichen Stellen nachgewiesen worden (Daten aus observation, naturgucker). Wahrscheinlich ist die Art jedoch wesentlich weiter verbreitet. Um gezielte Nachsuche und weitere Meldungen wird ausdrücklich gebeten!

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Rhyacia lucipeta und Xestia ashworthii – Steinbruchraritäten aus dem Hochsauerland

Steinbrüche beherbergen oft eine spezialisierte und reichhaltige Insektenfauna. Neben der besonderen Biotopstruktur und dem engen Nebeneinander diverser Lebensräume hat dies auch klimatische Ursachen: Gerade im kühlfeuchten Mittelgebirgsklima sind Steinbrüche regelrechte Wärmeinseln. Dies trifft im Besonderen für das Sauerland als dem nordwestlichsten deutschen Mittelgebirge zu.

Steinbruch bei Winterberg, 15. Juli 2018, Foto: Frank Rosenbauer

Im Hochsauerland wird in der weiteren Umgebung von Winterberg in einigen großen Steinbrüchen Diabas abgebaut, wodurch als besonders interessante Elemente steile Hanglagen geschaffen wurden, die an alpine Schutthalden erinnern. Leider dürfen diese Steinbrüche in der Regel nicht betreten werden, und so kann man deren Insektenreichtum zumeist nur von außen her erfassen. Dies haben wir im Rahmen eines Lichtfangs am 21. Juni 2020 am Rande eines großen Steinbruchs bei Winterberg getan und freuten uns über eine für das Sauerland ungewöhnlich lange Nachweisliste mit über 135 Großschmetterlingsarten inklusiver einiger Raritäten.

Eine davon ist die imposante Große Bodeneule Rhyacia lucipeta ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775), die wie der deutsche Name sagt, mit bis zu knapp 6 cm Spannweite ein regelrechter Riese unten den heimischen Eulenfaltern ist. Aktuell, also nach dem Jahr 2000, kennen wir in NRW nur noch drei Vorkommen dieser Art, alle in Steinbrüchen des Hochsauerlands. Die xeromontane Rhyacia lucipeta, deren primärer Lebensraum (z.B. in den Alpen) spärlich bewachsene Steilhänge sind, findet in den Steinbrüchen ideale Entwicklungsmöglichkeiten vor. Die Raupen leben polyphag an krautigen Pflanzen an Stellen, wo in den Hängen das Gestein locker und in ständiger Hangabwärtsbewegung ist. Die nachtaktiven Raupen scheinen diese Struktur zu benötigen, damit sie sich tagsüber eingraben und verstecken können. Arno Bergmann (1954) bezeichnete Rhyacia lucipeta deshalb sehr treffend als Leitart für „rollende Erde“. Die Falter schlüpfen im Juni, übersommern anschließend und erscheinen dann wieder im August. Rhyacia lucipeta war neu für diesen Steinbruch.

Rhyacia lucipeta

Rhyacia lucipeta, Steinbruch bei Winterberg, 21. Juni 2020, Foto: Jochen Kostewitz

Ein weiterer Spezialist von Steinbrüchen und steinigen Trockenrasen, der uns am besagten Abend in zwei Exemplaren an die Lampe flog, ist die Aschgraue Bodeneule Xestia ashworthii (DOUBLEDAY, 1855). Auch diese Art ist in NRW gegenwärtig nur noch von zwei Steinbrüchen aus dem Hochsauerland bekannt. Früher kam sie, teilweise wohl häufig, auch auf den Trockenrasen des Diemeltals vor, scheint von dort jedoch verschwunden zu sein. Eventuell hat dies klimatische Ursachen. Xestia ashworthii konnten wir bereits im letzten Jahr neu für diesen Steinbruch nachweisen und die weiteren Funde in diesem Jahr deuten auf eine stabile Population hin.

Xestia ashworthii,

Xestia ashworthii, Steinbruch bei Winterberg, 21.06.2020, Foto: Jochen Kostewitz.

In den kommenden Jahren wollen wir die Untersuchung der Steinbruchschmetterlingsfauna des Hochsauerlands weiter vertiefen. Im Rahmen von möglichen Betretungsbefugnissen der Steinbrüche sollen dabei besonders die Raupen der genannten Steinbruchspezialisten im Fokus stehen. Hoffen wir mal, dass uns die Betreiber der Steinbrüche da keine „Steine in den Weg legen“.

Literatur

BERGMANN, A. (1954): Die Großschmetterlinge Mitteldeutschlands. Band 4/1, 4/2. Eulen. — Jena (Urania)

 

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Mosel-Arbeitstreffen in Zeiten von Corona

Panorama-Blick vom Frühstücksraum auf den Annaberg bei Schweich.

Die diesjährige Mosel-Exkursion fand unter erschwerten Bedingungen statt, wegen der Virenseuche nur als kleines Arbeitstreffen, und bei nicht gerade optimalen Wetterbedingungen. Spaß gemacht hat es trotzdem, und gute Ergebnisse gab´s allemal.

Freitagsmorgens vor der Anreise zur diesjährigen Mosel-Exkursion war der Garten noch leicht bereift, die vergangenen Nächte waren alle eiskalt gewesen, die Nachtfalter an den Lampen konnte man an einer Hand abzählen. Aber mit dem festen Vorsatz, sich weder von der Corona-Pandemie noch vom scharfen Ostwind abhalten zu lassen, starteten wir in Richtung Schweich. Tagfalter waren dort offenbar Mangelware, Kleiner Heufalter, Mauerfuchs, ein paar Weißlinge: Das Jahr 2020 brachte uns den sogenannten “Juni-Dip” – das Flugzeitloch zwischen den Überwinterern und den Sommerfaltern – schon Mitte Mai.

Der erste Leuchtplatz am Oberhang des Fellerbaches südlich von Longuich war wunderschön, tatsächlich endete aber der Lichtfang in einer eiskalten Nacht, bei 6°C brachen wir um ca. 1.00 Uhr ab. Magere 40 Großschmetterlingsarten standen da auf dem Zettel, darunter als moseltypische Arten unter anderem zahlreiche Heide-Streifenspanner – Perconia strigillaria, Holzrindeneule – Egira conspicillaris und Kleiner Gabelschwanz – Furcula bifida. Der erste Tag endete mit einer kleinen Wildschweinfamilie mit einem halben Dutzend Frischlingen, die unseren Weg querten. Im Tal unten war es eiskalt, knapp am Bodenfrost.

Priesner # 11

Samstagmorgens bot sich dann aus der Unterkunft in Longuich ein fantastischer Blick auf die Weinberge, mit der Aussicht auf einen warmen Sonnentag. Nach dem Frühstück zog es uns an den Annaberg bei Schweich, an dessen Oberhang sich kilometerlang Weinbergsbrachen entlangziehen. Wenn nichts fliegt, dann muss man sich etwas einfallen lassen: Zum Glück hatte Armin Radtke zu Hause noch in die Gefriertruhe gegriffen und ein echtes Schätzchen mitgebracht: Ein Pheromonpräparat, das jetzt schon mehr als 30 Jahre auf dem Gummistöpsel hat: Ernst Priesner hatte in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Menge verschiedener Präparate an Kollegen verschickt, um die Wirkung der Pheromone auf verschiedene Arten zu testen. Eines davon, Priesner Nummer 11, lag seit über 25 Jahren unbenutzt auf Eis, bis zum Mai 2020.

Manchmal wird man sogar als kleiner Hobbyfaunist von Demut gepackt! Keine 20 Meter schaffte die Tagesexkursion, schon besserte sich die Stimmung: Rote Ampfer-Glasflügler (Pyropteron chrysidiformis (ESPER, [1782]) folgten der Duftspur des Präparates und umschwirrten uns, beziehungsweise den uralten, verheißungsvollen Gummistöpsel aus dem Max-Planck-Institut in Seewiesen, wo Ernst Priesner arbeitete: Die Präparate von damals wirken unverändert, jedes ein kleines Denkmal für den Forscher, der im Juli 1994 in den Alpen bei Garmisch-Partenkirchen seine Lockstofffallen kontrollieren wollte und seitdem verschollen ist.

Ampferglasflügler auf der Spur von Priesner Nr 11. Foto: Armin Dahl

Moselufer bei der Staustufe Detzem (Foto: Armin Dahl)

Uli Retzlaff und Armin Radtke (Foto: Armin Dahl)

Einmal angestachelt, brachten wir an verschiedenen Stellen weitere Pheromonfallen aus, die mit “modernen” Präparaten der Pherobank in den Niederlanden bestückt waren. Der abendliche Leuchtplatz wurde ausgekundschaftet, auf dem Rückweg dann die nächste Überraschung: Synanthedon conopiformis. Der Alteichen-Glasflügler gilt als besonders wärmeliebend, im Arbeitsgebiet der R.-W. Lepidopterologen sind nur wenige Flugstellen an Rhein, Mosel und Sieg bekannt.
Und weil die Sache schon mal so schön in Fahrt war, förderte der Nachmittag einen weiteren Vertreter der Sesien zu Tage: Eselswolfsmilch-Glasflügler leben im Überflutungsbereich der Mosel an der namenstiftenden Pflanze (Euphorbia esula). Mit ein wenig Übung lassen sich die winzigen Falterchen von den zahlreichen Wespen und Schwebfliegen unterscheiden, die in den blühenden Wolfsmilchbeständen entlang der Moselufer herumsurren.

Eselswolfsmilch mit Ch. tenthrediniformis (Foto: Armin Dahl)

Eselswolfsmilch mit Ch. tenthrediniformis (Foto: Armin Dahl)

Nach kurzer Verschnaufpause in einem Gartenlokal in Ensch an der Mosel kam am Abend dann endlich der Lichtfang am Annaberg in Schweich. Aber vorher noch einmal kurz ein Rückblick auf die Randbedingungen: Die gesamte Moselregion, normalerweise rappelvoll mit Touristen, war während der drei Tage dauernden Exkursion mehr oder weniger ausgestorben, die Bewohner warteten sehnsüchtig auf das Ende des “Corona-Lockdowns”, Übernachtung und Verköstigung waren nur unter strengen Auflagen möglich. In einem Hotelbetrieb mit 40 Betten zu zweit alleine im Frühstücksraum zu sitzen, bedient von der mit Mundschutz bewaffneten Chefin, das ist schon sehr speziell. Die Moselaner nahmen es allerdings erstaunlich gelassen, unser Übernachtungsörtchen Longuich ist mindestens seit dem 1. Jahrhundert nach Christus besiedelt (“Longus Vicus” = Langes Dorf), an der Römischen Weinstraße sind die Bewohner fast so entspannt wie in der Toskana.

Zurück zum Annaberg: In der späten Dämmerung waren alle Lampen aufgebaut, da stellte sich noch Besuch ein: Die OrganisatorInnen der “Woche der Artenvielfalt“, bewaffnet mit einer Kiste Gläser und – das gabs noch nie – leckeren Spezialitäten aus der Region, zum Beispiel der exzellenten Weinlage “Trittenheimer Apotheke”. Bei so viel aromatischen Stoffen ließen auch die Nachtfalter nicht auf sich warten, und so ging der Abend flott herum. Am Ende standen 80 Großschmetterlingsarten auf den Listen, bei klarem Himmel und niedrigen Temperaturen konnten wir zufrieden sein. Wir erinnern uns noch deutlich an den Leuchtabend vom vergangenen Jahr, damals  hatten wir am Annaberg keine 60 Arten zusammenbekommen, und ausserdem versank die Truppe im Dauerregen.

Der Sonntag war dann wieder ein strahlender Sommertag, den wir zur Sondage ins Ruwertal nutzten, in dem es ebenfalls tolle südexponierte Weinbergsbrachen und Hecken gibt, und verwunschene Dörfchen wie Sommerau, mit Burg, Weinbergen und immerhin 75 Einwohnern.

Zum Abschluss noch ein paar Falter- und Landschaftsbilder. Im kommenden Jahr werden wir einen erneuten Anlauf wagen, dann hoffentlich mit mehr Teilnehmern und besserem Wetter.

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Raupenfrühling und die Lehre vom richtigen Zeitpunkt

Nicht nur bei den Faltern hat der Frühling losgelegt, sondern auch bei den Raupen. So war ich Anfang April 2020 auch wieder in meinen beiden Düsseldorfer Gebieten kartieren, und habe fleißig v.a. an blühenden Schlehen geklopft und Kätzchen von Weiden und Pappeln gesammelt.

Teils durch Aufsammeln vom Boden, teils durch Klopfen von Gebüsch und krautigen Pflanzen, teils aber auch durch Klopfen an dem kätzchentragenden Gehölz selbst und weil viele Weidenkätzchen erst gerade angingen zu blühen und also noch nicht „reif“ zum Klopfen waren auch durch „pflücken“. An dem Tag selber habe ich kaum Raupen zu sehen bekommen, aber ich habe ja in diversen Plastiktüten jede Menge Proben mit nach Hause genommen, und da kamen dann in den folgenden Tagen hunderte Raupen heraus, die am Sammeltag wohl noch winzig kleine L1 in den Kätzchen oder zwischen den Schlehenblüten gewesen sein dürften: Cosmia trapezina, Amphipyra pyramidea und A. berbera, Colotois pennaria, Agriopis spec., Erannis defoliaria, Apocheima pilosaria waren u.a. schon dabei!

Interessant war, dass es blühphänologisch doch recht deutliche Unterschiede gab zwischen den Gebieten: Während auf dem Golfplatz Hubbelrath die meisten Schlehen in prächtiger Vollblüte standen und ich an der üblichen Stelle (siehe Bild 1) wieder so einige vermeintliche Rhinoprora chloerata-Raupen finden konnte, waren die Schlehen im UG Eller Forst schon durch und dort gab es dann diesmal auch leider keine Raupen dieser Gattung. Eine dieser Raupen sah ich schon gleich nach dem Klopfen im Schirm und diese hat sich auch gleich am nächsten Tag schon den Kokon gebaut, zwei weitere tauchten erst am 7.4. beim Durchwühlen der Probe auf, eine am 8.4., zwei am 9.4. und eine am 10.4. Allerdings habe ich den Verdacht, dass es sich bei den später aufgetauchten auch um die ähnliche und viel häufigere, aber normal phänologisch spätere R. rectangulata handeln könnte, deren Raupe tendenziell etwas schlanker ist (siehe dazu auch Bild 2). Zur Sicherheit werden natürlich alle gezüchtet.

Auch bei der Esche hatte ich Pech: In Hubbelrath gingen bei den beklopfbaren Eschen gerade erst die Blüten auf, im Eller Forst waren sie jedoch schon abgeblüht. Vor ein paar Jahren war es noch anders, denn da konnte ich in beiden Gebieten genau zur Eschenvollblüte daran klopfen (10.4.2015 im Eller Forst, 15.4. in Hubbelrath) und hatte an jeder Esche zahllose winzige Raupen von Agrochola circellaris im Schirm!

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Trifurcula immundella (ZELLER 1839)  – ein Minenfund aus dem Bergischen Land

Schon mehrfach wurde hier über Blattminierer berichtet – und dadurch bei vielen Interessierten die Suche danach angeregt. Über die Zwergminiermotten – Nepticulidae hatte Dieter Robrecht uns eine private systematische Zusammenstellung gezeigt – und uns praktischerweise mitgeteilt, was wann woran zu suchen ist.

Das ließen sich mein Mann Hajo und ich nicht zweimal sagen – und nahmen die Ginsterbüsche, die hier an einem warmen Hang des Siegtals zwischen licht stehenden Eichen und Birken mit Heidekraut eingestreut sind, buchstäblich unter die Lupe. Bis Ende März sollten jedenfalls die Raupen von Trifurcula immundella (ZELLER 1839) in den Zweigen des Besenginsters Cytisus scoparius minieren.

Wir hatten Glück, schon nach kurzer Zeit fanden wir eine schwarze Mine im Haupttrieb eines kleinen Ginsterbusches, die uns vielversprechend aussah. Zu Hause wurde der Zweig dann eingehend betrachtet und fotografiert. In der geöffneten Mine fand sich auch reichlich Kot, die Raupe hatte aber die Mine wohl schon verlassen.

Immerhin fanden wir den Fund so überzeugend, dass ich bei Dieter Robrecht mit einigen Fotos anfragte. Er hat die Mine nochmals genau analysiert und seine Analyse festgehalten (Mitteilung per E-mail):

  • „Der Fraßgang verläuft zunächst nach unten, das spricht für immundella.
  • Der Gang sollte gerade sein, auch am Anfang. Das ist er weitgehend: das spricht für immundella.
  • Am Beginn des Fraßganges sollte die Eischale noch haften: Das ist hier nicht der Fall oder auf dem Foto nicht gut erkennbar. Die Eischale dürfte auch nur mit einer 15-fach-Lupe sichtbar sein!
  • Die Raupe ändert dann die Richtung, und der Gang verläuft gerade nach oben: das passt auch zu immundella.
  • Am Ende des Ganges sieht man eine helle Stelle, die Austrittsöffnung der Raupe.
  • Mein Fazit: es sollte T. immundella sein, wobei ich mich bei der Diagnose auf die Literaturangaben beziehe.“

Um ganz sicher zu gehen, hat Dieter dann die Fotos dem niederländischen Experten Erik van Nieukerken vorgelegt, der die Bestimmung bestätigt hat.

Erst nach der Freude über den Fund haben wir überhaupt realisiert, wie selten die Art bisher nachgewiesen wurde. Außer durch Minen ist die Art durch Genitaluntersuchung zu bestimmen, wenn während der Flugzeit von Juni bis August Tiere ans Licht kommen. In der Literatur findet sich wiederholt der Hinweis, dass die Art vermutlich weiter verbreitet ist, als die Fundorte vermuten lassen.

Eine deutschlandweite Gesamtübersicht über die Funde der Gattung Trifurcula gaben Erik J. van Nieukerken, Willy Biesenbaum und Wolfgang Wittland in der Melanargia 2010: „Innerhalb der Nepticulidae ist von den Arten der Gattung Trifurcula am wenigsten bekannt“ heißt es dort, und es wird auf die vielen „Weißen Flecken“ und die „faunistischen Wissenslücken“ hingewiesen. Dort werden von Trifurcula immundella aus Nordrhein-Westfalen nur sechs Funde aufgeführt. Dabei gehörte diese Art noch zu den Arten der Gattung, von der bundesweit relativ viele Fundorte in der Veröffentlichung aufgeführt werden konnten.

Ab 2010 wurden die weißen Flecken auch nur teilweise gefüllt. Einige Beobachtungen hat Rudi Seliger, teils mit Kollegen und dabei vor allem Armin Duchatsch, an verschiedenen Stellen der Eifel gemacht, mitunter in denselben Gebieten auch über mehrere Jahre, vgl. die Online-Datenbank des Vereins. Wie wenige es jedoch trotzdem auch bundesweit noch sind, zeigt etwa die Verbreitungskarte des Portals „Schmetterlinge Deutschlands“. Dort weist das Saarland mit sieben besetzten Meßtischblättern die größte regionale Dichte auf, alles Funde von Andreas Werno. In den angrenzenden Ländern wie Belgien oder sogar den im Mikrobereich in der Regel gut untersuchten Niederlanden sieht es nicht viel besser aus, man vergleiche etwa die Seiten von observation.org bzw. waarneming.nl und waarnemingen.be.

Nach diesen Daten dürfte unser Fund der erste Nachweis aus dem Bergischen Land seit 74 Jahren sein. 1946 fand Albert Grabe die Art im MTB 4610/2 bei Albringhausen, aus dem Norden des Bergischen Landes, während wir im Süden fündig wurden. Zu wünschen ist jedenfalls, dass dieser Art mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird und es nicht bei dieser einen gefundenen Mine bleibt – damit die weißen Flecken weniger werden!

Bedanken möchte ich mich bei Dieter Robrecht für die Anregung zur Suche sowie die genaue Analyse der Mine und bei Erik van Nieukerken für die Bestätigung der Bestimmung.

Literatur:

Nieukerken, E. J. van, Biesenbaum, W., Wittland, W. (2010): Die Gattung Trifurcula ZELLER 1848 in Deutschland mit zwei Erstnachweisen für die deutsche Fauna – Melanargia 22 (1): 1 – 26, Leverkusen

Internet:

Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen: Datenbank http://nrw.schmetterlinge-bw.de/MapServerClient/Map.aspx

Trifurcula immundella im Portal Schmetterlinge Deutschlands:
https://www.schmetterlinge-d.de/Lepi/EvidenceMap.aspx?Id=432219

Observation weltweit: https://observation.org/soort/info/25472

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